USA / Welt

Folge 25 Canyonland & Bryce Canyon

Im Canyonland kommen wir in Teufels Küche

Das Wetter am nächsten Tag ist optimal für eine Wanderung. Es ist sonnig, aber nicht heiß. Anja und Martin legen einen Ruhetag ein, um Martins Fuß zu schonen.

In der Aufregung, es ist schon später als wir geplant hatten, vergessen wir unseren gepackten Rucksack bei Martin am Frühstückstisch. Wir bemerken das erst am Trailhead, zu dem uns Anja fährt. Im Auto befindet sich noch ein Ersatzrucksack.

Wir starten mit reduzierten Essens- und Trinkvorräten. Die Wanderung entschädigt für all die Hektik. Es geht über Stock und Stein und durch tiefe Canyons. Ziel ist der Chessler Parc, eine von Felsnadeln umgebene, grasbewachsene Ebene.

Dort gibt es enge Schluchten, durch die sich der Joint Trail schlängelt. Die Felswände ragen bis zu 60 Meter auf. Dabei ist der Weg oft so schmal, dass man gerade noch seitwärts hindurch passt. Wie erkunden Seitengänge, die manches Mal in solch schmalen Spalten enden, dass man nicht mehr weiterkommt.

Die Zeit wird knapp. Wir hatten versprochen, vor 16 Uhr zurück zu sein. Wir machen keine Pause mehr. Der Weg ist anstrengend. Wir wandern mit einer recht ungenauen Karte und verpassen prompt einen Abzweig. Wir handeln uns einen Umweg von 6 Kilometern ein und kommen buchstäblich in Teufels Küche.

Aber wenigstens bemerken wir an dem Zeltplatz mit dem einprägsamen Namen „Devils Kitchen“ unseren Fehler. Im Eilmarsch reißen wir noch weitere 10 km runter, bevor wir ausgelaugt und mit schmerzenden Füßen den Ausgangspunkt unserer Wanderung erreichen.

Es ist nun 17 Uhr. Anja und Martin haben schon auf uns gewartet. Unser Benzin ist fast alle. Wir sind gezwungen, unser mit 2,45 Dollar/ Gallone teuerstes Benzin in Nordamerika zu tanken.

Martin ergreift das Jagdfieber. Auf dem Highway stellt er den Tempomat auf 85 mi/ h. Erlaubt sind 75. Folgerichtig muss er das bald einem Polizisten erklären. Dieser belässt es jedoch bei einer Ermahnung. Wir sind noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen. Wir fahren bis 40 Meilen vor den Bryce Canyon. Gegen 23 Uhr finden wir ein Motel, das bereit ist, uns ein Zimmer zu vermieten. Im Fernsehen laufen zwei interessante Sendungen. VH1 präsentiert die 100 erfolgreichsten Frauen und die 100 erfolgreichsten Songs der Rockgeschichte. Die ersten Plätze belegen Aretha Franklin und „Satisfaction“ von den Stones. Die heiße Dusche ist ein abschließendes Highlight dieses Tages.

Der Bryce Canyon – unsere kälteste Nacht im Zelt

Hodoos nennen sie hier die kleckerburgähnlichen Gesteinsformationen, die das Bild des Bryce Canyons prägen. Wind, Frost und Wasser haben teilweise skurrile Formen geschaffen. Einige tragen solche fantasievollen Namen wie Rainbow Point oder Sunset Point Wir gehen einen 5 km langen Loop, der tief ins Tal hinein führt und uns viele Ausblicke auf diese bizarren Naturschönheiten bietet.

Das Gebiet wurde nach dem Mormonen-Siedler Ebenezer Bryce benannt, der seine Viehherden in den labyrinthartigen Niederungen des Flussbettes grasen ließ.

Das Plateau, in das sich der Bryce Canyon hineingeschnitten hat, befindet sich auf 2.700 m Höhe. Es ist dementsprechend kühl. Für die Nacht werden – 7° C angesagt. Wir schlagen unser Zelt auf einem der Zeltplätze auf und kochen etwas.

Nach einem spektakulären Sonnenuntergang setzen wir uns in die nahe gelegene Lodge. Wir spielen fünf Stunden lang Canasta, auch um der winterlichen Kälte nicht so schnell in die Fänge zu geraten.

Diesmal können Annett und ich den Spieß umdrehen. Kurz vor Mitternacht haben wir den ersten Sieg eingefahren. Nachts wird es kalt. Wir haben uns alle möglichen Klamotten übergezogen, hüllen uns in die Schlafsäcke und kuscheln uns paarweise möglichst eng aneinander.

Als wir frühmorgens aus den Zelten blinzeln, registrieren wir – 5 Grad. Das wird unsere kälteste Nacht im Zelt bleiben. Auf der Rückfahrt nach Las Vegas entscheiden wir uns für eine Route durch den Zion–Nationalpark. Das Wetter ist wunderbar, aber wir haben wenig Zeit, um uns die herrliche Landschaft genauer anzuschauen.

Am Abend treffen meine Eltern in Las Vegas ein. Diesen Termin dürfen wir nicht verpassen. Ganz ohne Fotostopps geht es dann doch nicht. Glücklicherweise gewinnen wir beim Überschreiten einer Zeitzone unerwartet eine Stunde. Die haben wir aber auch bitter nötig.

Route USA Teil 2
Route USA Teil 2

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