USA / Welt

Folge 26 Die Eltern sind da

Zurück in Las Vegas – die Eltern kommen

Die Hotels und leider auch Motels in Las Vegas sind im Allgemeinen ziemlich teuer. Wir mieten uns für moderate 59 Dollar zu viert im Firebird Inn ein. Dieses Motel liegt zwar etwas außerhalb der Stadt, dafür aber in der Nähe der Mietstation des Recreation Vehicles oder kurz RV, welches die Eltern vorbestellt haben.

Anja und Martin fahren schon einmal dorthin und befinden das Wohnmobil für groß genug, um sechs Leute zu beherbergen. Nun müssen nur noch die Eltern von ihrem Glück überzeugt werden.

Nun erledigen wir noch einen Lebensmittelgroßeinkauf und waschen einen großen Berg Wäsche. 20 Minuten nach der offiziellen Ankunftszeit des Flugzeugs treffen wir auf dem Flughafen ein und empfangen die Eltern ohne Wartezeit. Sehr effektiv!

Hotel The Miracle

Die Freude ist natürlich groß. Es fließen sogar einige Tränen. Und es gibt viel zu erzählen. Die Eltern wohnen für eine Nacht im Excalibur, direkt im verrückten Zentrum von Las Vegas. Wir fahren zu sechst in unserem Mietwagen dorthin. Das Zimmer, das die Eltern reserviert hatten, ist noch nicht gereinigt. Sie bekommen ein anderes, sehr großes und komfortables.

Kurz nach Mitternacht brechen wir gemeinsam zu einem Spaziergang auf. Alles ist grell, bunt und hektisch. Wir besuchen eine Spielhalle, trinken dünnes Bier und lassen uns durch die Nacht treiben. Den Eltern sieht man ihre 26-Stunden-Reise kaum an. Nur etwas blass sehen sie aus. Doch irgendwann fallen alle erschöpft in die Betten.

Zehn Tage gemeinsames Reisen mit den Eltern – ein besonderes Erlebnis

Am nächsten Tag mieten wir das RV. Leider zieht sich das bis zum Mittag hin. Wir sehen unter anderem ein Video über die Benutzung des Fahrzeugs. Das ist nötig, denn es handelt sich um ein fahrendes Hotel. Das Auto hat allerdings auch einige Macken. Die Toilettentür lässt sich nicht schließen, der Tank ist halbleer und beim Fahren zieht das Fahrzeug deutlich nach links. Na mit Automacken kennen wir uns ja nun aus.

Das Personal der Verleihfirma ist zwar freundlich, aber wir werden dennoch den Eindruck nicht los, dass „El Monte“ satt ist. Man feilscht um 5 Dollar für einen Toaster und verlangt 100 Dollar (!) für ein paar Töpfe, Kellen und Messer.

Mit Service, Kundenpflege und geschicktem Marketing hat das jedenfalls wenig zu tun. Wir fahren zum Motel, wo Annett und Anja schon ungeduldig warten. Überrascht stellen wir fest, dass wir ohne Probleme unser gesamtes Gepäck inklusive des Riesenfresspakets für sechs Leute und eine Woche verstauen können.

Endlich fahren wir los. Alle sind begeistert, gemeinsam reisen zu können. Zum einen spart das wichtige, harte Dollar, zum anderen ist man den größten Teil des Tages gemeinsam unterwegs. Einer muss am Steuer arbeiten. Die anderen fünf sitzen im gemütlichen Wohnbereich an einem Tisch und genießen plaudernd das Dasein.

Am Hoover Damm machen wir Station. Der Damm wurde nach dem 31. Präsidenten der USA benannt und dient in erster Linie der Stromversorgung und Trinkwasserbereitstellung von Las Vegas. Er ist eine Touristenattraktion. Auch wir belichten einige Dias.

Der Grand Canyon

Mitten im Oktober geht es in das berühmteste Tal der Welt, in den Grand Canyon. Wir sehen uns satt an einem Aussichtspunkt, besichtigen das Visitor Center am South Rim und einen nahe gelegenen Friedhof. Danach spazieren wir einige Kilometer am Canyonrand entlang.

Mutti verliert sogar ihre Angst vor der Höhe und traut sich, wenn auch etwas verkrampft an meinem Arm hängend, auf einen exponierten Felsvorsprung zum Fototermin. Danach fahren wir zum Helikopter-Flugplatz außerhalb des Nationalparks. Ein großer Traum der Eltern soll in Erfüllung gehen – ein Flug durch den Grand Canyon.

Zur Hälfte bezahlen wir unser Weihnachtsgeschenk. Vor dem Flug wird jeder gewogen. Annett und ich stellen fest, dass wir schon einige Kilo verloren haben: 75,8 kg mit Sachen, das wog ich schon seit zwei Jahren nicht mehr. Unsere gesunde, aktive Lebensweise macht sich bemerkbar. Nach einer halben Stunde landen die Eltern wieder. Der vom Rotor entfachte Wind zerzaust ihre Haare. Ihre Gesichter sind glücklich. Der Flug war überwältigend. Sie schwärmen von ihrem atemberaubenden Erlebnis.

Am Hopi Point bewundern wir gemeinsam mit vielen anderen einen außergewöhnlichen Sonnenuntergang. Danach gehen wir ins Trailer Village des Nationalparks. Mutti Zobel zaubert ein schmackhaftes Abendbrot auf den Tisch. Wir spielen Canasta und beenden den erlebnisreichen Tag mit einer Flasche Wein.

Am nächsten Morgen sind Martin und die Eltern wieder zeitig auf den Beinen. Sie wollen die Gelegenheit nutzen und die einzigartige Atmosphäre eines Sonnenaufgangs in dieser spektakulären Landschaft miterleben.

Wo die Engel landen

Wir haben uns entschieden, noch einmal in den Zion–Nationalpark zu fahren. Am Desert View Point und an der Navajo Bridge über den Colorado machen wir Pausen. Am Eingang des Zion–Nationalparks müssen wir 10 Dollar bezahlen, um mit unserem hohen Gefährt durch die engen Tunnel fahren zu dürfen.

Dazu ist es nämlich nötig, den gesamten Gegenverkehr zu sperren, da wir in der Mitte der zweispurigen Straße fahren müssen.

Der Angels Landing Trail liegt vor uns. Wir nutzen den kostenlosen Bus-Shuttle. Er fährt uns durch das Zion–Tal mit seinen steilen Felswänden. Am Trailhead steigen wir aus. Die Sonne und die stetige Steigung sorgen dafür, dass der größte Teil unserer Kleidung seinen Platz wechselt – von den Gliedmaßen in die Rucksäcke.

Die Eltern schlagen sich wacker und schnaufen den Berg hinauf. Nach der Aufwärmung folgt eine leichte Abkühlung im Refrigerator Valley.

Dann geht es in engen Serpentinen steil den Berg hinauf. Oben angekommen befindet man sich auf einem kleinen Plateau. Hier endet für den größten Teil der Wanderer der Trail.

Man hat einen überwältigenden Blick über das Tal. Für den anderen Teil beginnt nun die schönste Strecke. Auf einem Felsgrat führt ein kettengesicherter Klettersteig zum „Landepunkt der Engel“.

Links und rechts geht es 400 Meter hinunter. Einmal habe ich mich nicht im Griff und schaue einen Augenblick zu lange in den Abgrund. Die Höhenangst übermannt und schickt mich zurück. Annett, Anja und Martin marschieren bis auf den Gipfel und genießen den Ausblick.

Route USA Teil 2
Route USA Teil 2

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