USA / Welt

Folge 12 San Francisco

Die folgende Woche stand im Zeichen San Franciscos, jener Stadt, von der viele behaupten, sie gehöre zu den attraktivsten, liberalsten und multikulturellsten Städten der USA. Man fährt mit vielen Erwartungen in so eine berühmte und oft besungene Stadt. Aber vielleicht ist das ein Fehler. Die nächsten sechs Tage bringen uns Erlebnisse positiver, aber auch sehr negativer Art. Im Nachhinein betrachtet, wirkt die Stadt auf mich eher bedrohlich, extrem teuer und teilweise unfreundlich. Sie ist eindrucksvoll, keine Frage, aber man muss ständig auf der Hut vor unliebsamen Überraschungen sein.

Cable Car

Cable Car in San Francisco

Die Cable Car ist nicht nur eine Touristenattraktion, sondern zugleich öffentliches Nahverkehrsmittel. Der Name der Bahn rührt von einem dicken Stahlseil her, das sich unter der Straßenoberfläche befindet. Dieses „Kabel“ wird durch gewaltige Aggregate angetrieben, die man im Cable Car Museum besichtigen kann. Die Bahn hängt sich an das Seil und lässt sich die teilweise extremen Steigungen hinaufziehen. Will der Conductor den Wagen halten, so klinkt er ihn aus dem Seil aus und bremst. Von einem zentralen Punkt aus werden die Bahnen der gesamten Stadt angetrieben. Es gibt vier verschiedene Linien, auf denen jeweils mehrere Wagen verkehren.

Golden Gate Bridge

Die berühmteste Sehenswürdigkeit San Franciscos ist sicher die Golden Gate Bridge. Die rote Brücke wurde in den 30er Jahren gebaut und war damals die längste Hängebrücke der Welt. Ihren Namen hat sie wegen der Meerenge zwischen dem Pazifik und der Bucht von San Francisco, die sie überspann. Man kann hinüberlaufen oder –fahren. Wir probieren beides. Wir bemerken, dass es hier an der Brücke viel kühler ist als im nahen Stadtzentrum. Ursache sind die kühlen Pazifikwinde, die auch für eine kräftige Strömung im Wasser sorgen. Deshalb hat man früher oft die Haltbarkeit der Brücke angezweifelt. Wir haben wunderbares Fotowetter. Es ist warm. Weder Wolken noch Nebelschleier trüben die Sicht. Ausnahmen davon gibt es nur frühmorgens.

Alcatraz

Wir besuchen Alcatraz, die legendäre Gefängnisinsel, auf der folgendes Motto galt: „Sie haben Anspruch auf Verpflegung, Kleidung, Unterbringung und medizinische Versorgung. Alles andere sind Privilegien!“. Bis 1963 wurde die Insel als Gefängnis genutzt.

Hier saßen berüchtigte Verbrecher wie z.B. Al Capone, mitunter mehr als 30 Jahre ein . Sie waren total von der Außenwelt isoliert. Das sollte anderen Ganoven ein abschreckendes Beispiel sein. Eine Flucht war so gut wie unmöglich. Abgesehen von den Hochsicherheitseinrichtungen verhinderte vor allem die kalte Meeresströmung in der San Francisco Bay ein lebendiges Erreichen des Festlandes. Nur drei Männer sind jemals entkommen. Ob sie jedoch überlebten, weiß keiner. Außer vielleicht die drei selbst.

Wir nehmen eine Audiotour in deutscher Sprache durch die einzelnen Abschnitte des Gefängnisses. Es entsteht ein realistischer Eindruck von der damaligen Situation der Gefangenen. Wir besuchen die Dunkelzellen, den Essensraum, den Freizeitbereich usw. Interessant ist, dass nach der Stilllegung des Gefängnisses Indianer das Territorium für sich beansprucht haben. Sie begründeten das mit einer uralten Vereinbarung, wonach Land, das die Weißen genommen haben und nicht mehr benötigen, automatisch in den Besitz der Ureinwohner zurück fällt. Der kalifornische Staat musste die besten Anwälte bemühen, um doch das Land behalten und letztendlich die Museumsinsel gestalten zu können. Sie hat heute den Status eines Nationalparks.

Go Club San Francisco – den Spielabend werde ich nicht mehr vergessen – aber aus einem unvorhergesehenen Grund

Für mich ist es wichtig, in San Francisco Go zu spielen. In meinem Gepäck befindet sich eine Liste von Go-Clubs in aller Welt. Ich will die Möglichkeiten nutzen, neue Go-Spieler kennenzulernen. Schnell habe ich einen Go-Club gefunden. Man kann hier tatsächlich jeden Tag spielen. Ich verliere nur ein Spiel und darf mich wieder I. Dan nennen. Ich freue mich jetzt schon auf 14 Tage Korea. Dort werde ich noch einmal ausgiebig meiner Passion frönen können.

San Francisco hat eine ausgeprägte Kneipenszene. An jeder Ecke locken Restaurants, Kneipen und Bars jeglicher Nationalität und Preisklasse.

Die Stadt ist fast übersichtlich nach Nationen geordnet. Man findet Chinatown, Japantown und ein italienisches Viertel. Wem das nicht genügt, kann sich nach Themen orientieren. So gibt es das Viertel Haight Ashbury mit seinem Bezug zur Flowerpower-Zeit oder das Castro mit seiner ausgeprägten Schwulen- und Lesbenszene. Man erkennt diesen Bezirk an den Regenbogenfahnen, die überall hängen.

In North Beach gibt es die berühmte Beatnik-Bibliothek, in der früher solche berühmten Leute wie Jack Kerouac und Allen Gingsberg rumhingen und die auch heute noch das Zentrum der lokalen Literaturszene ist. Der Laden hat täglich bis um Mitternacht geöffnet.

Wir besichtigen Fishermans Warf,eine ausgesprochene Touristenmeile und den Financial District mit seinen Wolkenkratzern. In der Federal Reserve Bank ist eine interessante Ausstellung zur Ökonomie der letzten 150 Jahre. Dieses kleine Museum ist sehr anschaulich, zum Teil auch interaktiv gestaltet. In einem Computerspiel wird z.B. die Auswirkung von Maßnahmen des Staates auf die Wirtschaftsentwicklung simuliert. Man spielt Wirtschaftskapitän und bekommt am Bildschirm die Auswirkungen seines Tuns angezeigt.

San Francisco bietet uns auch kulinarische Höhepunkte. Da sind die leckeren Bagels am Morgen oder der leckere, wenn auch teure Irish Coffee im berühmten Buena-Vista-Café. An unserem letzten Abend in der Stadt essen wir Sushi. Wir besuchen ein original japanisches Restaurant in Japan Town. Wir sitzen im Schneidersitz, essen mit Stäbchen und trinken Sake. Sushi macht nicht gerade satt. Es ist mehr eine Sache für den Gaumen. Die Speisen werden von Hand zubereitet und haben wirklich einen eigenen, dezenten Geschmack.

Route USA – Teil 1

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