Folge 17 Adams Lake – und die Schmach vom Shuswap

Vor unserer Abreise hatten wir uns immer wieder gewünscht, die ersten zwei Wochen mit Ausschlafen und Faulenzen zu verbringen. Jedoch war uns die Umstellung auf den neuen Rhythmus schwergefallen. Es war anfänglich sehr heiß. Dazu kamen alleweil die Sorgen mit Charlie. Vielleicht fehlte auch nur der Postkartensee. Genau den haben wir nun gefunden.

Der Adams Lake liegt 14 km abseits vom Transcanadian Highway in völliger Stille, malerisch eingebettet zwischen den Bergen. Sein Wasser ist glasklar, allerdings auch kühl. An seinen Ufern finden wir reichlich Feuerholz. Da die Saison bereits vorbei ist, ist der Platz dazu noch kostenlos. Wir bleiben einige Tage.

Auf einer Wanderung gelangen wir zu einem Sägewerk. Von einer Anhöhe aus können wir die Arbeitsschritte beobachten – vom Anlanden der aus Baumstämmen bestehenden Flöße bis zum Abtransport der verpackten Bretter und Balken. Martin unterhält sich mit den Arbeitern und erfährt, dass vielleicht eine Führung möglich ist. Doch der Chef lehnt ab. Zu viel Personal befinde sich zurzeit in Vancouver. Man habe alle Hände voll zu tun, um die Firma am Laufen zu halten. Da ist kein Platz für neugierige Touristen.

Auf der Rücktour kommen wir an einigen, schon winterfest gemachten Ferienhäusern vorbei. Wir schreiben heute den 20. September, doch hier erwartet man den ersten Schnee.

Zwei Einheimische erzählen uns, dass der Adams Lake der stille und der benachbarte Shuswap der busy lake mit Motorbooten, Wasserski usw. sei. Das freut uns doppelt. Am Adams Lake können wir die Stille genießen und am Shuswap Lake haben wir die Möglichkeit, eine Bootsfahrt zu machen.

Die Schmach vom Shuswap

Dieses Vorhaben setzen wir am nächsten Tag in die Tat um. Wir mieten für eine Stunde ein Kanu und ein Kajak. Eine Stunde ist nicht viel Zeit, aber wir müssen immer wieder mit dem Geld rechnen. Wir machen das Beste daraus und steuern eine kleine Insel in der Mitte des Sees an. Ein Kanu hat den Nachteil, dass es nur ein Paddel je Seite gibt. Bei uns Ungeübten führt das unweigerlich zu einem Zickzackkurs. Doch irgendwie gelingt es Annett und mir, das Kanu über den See zu steuern. Auf der Insel wechseln wir. Zuvor lässt es sich Martin nicht nehmen, ins kalte Wasser zu springen. Bewundernswert!

Das Kajak fährt sich viel leichter als das Kanu. Schnell haben wir einen großen Vorsprung vor den beiden anderen. Auf dem See kommt eine steife Brise auf. Wir verlieren unser Ziel aus dem Blick und treiben ziemlich ab. Dummerweise bemerken wir das nicht und sind noch lange der Meinung, auf dem richtigen Kurs zu sein. Am Ufer steige ich aus und erst hier wird uns klar, dass wir nicht an der richtigen Stelle sind. Wir müssen noch mindestens 400 Meter zurück. So gelingt es Anja und Martin doch tatsächlich, uns einzuholen. Dies war ein erster kleiner überraschender Sieg des Doppels A&M. Unser Ehrgeiz war jedoch geweckt und es gab in der Folgezeit einige Gelegenheiten diese „Schmach vom Shuswap“ wieder auszugleichen.

Wir sind zwei Jahre zu früh

Den nächsten Vormittag verbringen wir an einem Fluss, an dem die Natur ein eigenartiges Spiel spielt. Alle vier Jahre kommen zwischen Ende September und Mitte Oktober Millionen Lachse den Fluss herauf, um zu ihren Laichplätzen zu gelangen. Der letzte Schwarm kam 1998. Damals kamen täglich Tausende Menschen, um das Naturschauspiel zu bestaunen. In den Zwischenjahren passiert leider nicht viel. Wir sehen nur wenige Lachse, die von Zeit zu Zeit aus dem Wasser springen und sich offenbar ganz wohl fühlen.

Lagebesprechung

Am Abend erfreuen wir uns noch einmal an der wunderschönen Natur. Zwischen hohen Bäumen sitzend, mit Blick auf „unseren“ See lassen wir den Tag am Lagerfeuer ausklingen.

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