USA / Welt

Folge 14 1000 Meilen bis Vancouver

Irgendwie sind wir froh, San Francisco verlassen zu können. Ein bisschen schwingt natürlich auch die Hoffnung auf ein Ende der Pechsträhne mit. In einer Woche wollen wir Anja und Martin in Vancouver vom Flughafen abholen. Es ist wichtig, dass wir das schaffen, bringen die beiden doch einen dritten Rucksack mit allerlei Sachen, die für uns bestimmt sind. Wir müssen noch etwa 1000 Meilen nach Norden fahren. Es geht durch die Bundesstaaten Oregon und Washington. Wir sind angenehm überrascht, ja oftmals beeindruckt.  Wir fahren immer an der Pazifikküste entlang, halten so oft es geht. Wald, soweit das Auge reicht. Dazu ein Licht, das direkt dazu auffordert, die atemberaubende Schönheit der Landschaft auf Dias festzuhalten. Hinzu kommt, dass Verkehr und Touristenstrom deutlich nachlassen. Es ist auch nicht mehr so heiß. Wir können immer öfter von optimalen Wetterbedingungen sprechen.

Der Redwood Nationalpark

Im Redwood Nationalpark stehen die höchsten Bäume der Welt. Der höchste soll unglaubliche 110 Meter hoch sein. Wir wollen IHN sehen. Dazu müssen wir etwa 10 Meilen in den Wald hinein fahren. Dann beginnt ein zwei Meilen langer Wanderweg. Wir besorgen uns das erforderliche Permit im Visitor Center. Wir bekommen eine Geheimzahl, die wir zum Öffnen eines Tores benötigen, das den Waldweg sperrt. Der Weg mit all seinen Bodenwellen, Wurzeln und Löchern ist eine echte Bewährungsprobe für Charlie. Der ganze Kerl wackelt, vibriert und poltert. Vom Autodach rieselt Rost ins Wageninnere. Ganz wohl ist uns dabei nicht. Doch der Ausflug lohnt sich. Wir genießen die Wanderung in diesem abgelegenen Wald. Dann steht ER vor uns. Unsere Blicke folgen seinem Stamm aufwärts, scheinbar bis in den Himmel. Wenn man zu seiner Krone aufschaut, kann einem schwindlig werde. Der höchste Baum der Welt steht unmittelbar an einem Fluss, an dessen Ufer wir faul in der Sonne liegen. Schön.

Nanu – wieder eine neue Idee von Charlie?

Seit San Fancisco beschäftigt uns die Frage, ob ein Wheel Alignement das Problem mit den abgefahrenen Reifen lösen könnte. In einer kleinen Stadt fahren wir in eine Werkstatt. Wir finden einen kompetenten Mechaniker. Er nimmt Charlie auf die Alignement Machine. Das allein ist ein Erlebnis für die ganze Werkstatt. Der Caddy ist fast zu groß für die Bühne. Der Chef meint dann, dass man 1000 Dollar investieren müsste, um die Sache richtig zu machen.

Ein Wheel Alignement ändere die Spur um einige Tausendstel inch. Das ist wohl nicht die richtige Dimension für Charlie. Man schlägt uns vor, 75 % des Schadens für 300 Dollar zu beheben. Wir lehnen ab. Dann wechseln wir lieber die Reifen. Das scheint uns immer noch günstiger zu sein.

In Coos Bay, einer Industriestadt, kaufen wir ein und probieren die schmackhaften Baguettes von Subway. Als wir die Stadt längst hinter uns gelassen haben, beginnt das Auto plötzlich zu vibrieren. Oh Mann! Es wäre wohl besser gewesen, die 300 Dollar zu investieren, als nun wieder irgendwo im Nirgendwo der Wildnis liegen zu bleiben. Unsere Stimmung ist entsprechend gedrückt, als wir auf den nächsten Zeltplatz fahren und überlegen, wie es weitergehen könnte.

Der Ranger gibt uns die Auskunft, dass der nächste Ort nur 10 Meilen entfernt ist. Ich fahre sofort hin. Doch es ist zu spät. Alle Läden haben bereits geschlossen. Immerhin bekomme ich eine Visitenkarte von einem Mechaniker, dessen Spezialgebiet es sein soll, alte Autos so gut zum Laufen zu bringen wie neue. Sofort muss ich an Larry und den Mutual Safety Switch denken …

Am nächsten Morgen stehe ich mit dem festen Vorsatz auf, das Problem aus der Welt zu schaffen. Annett soll sich ausruhen und mir die Daumen drücken. Die erste Werkstatt lehnt wegen Überlastung, die zweite wegen Nichtzuständigkeit ab. Bleibt nur noch der örtliche Reifenshop. Dort finde ich Hilfe. Ein Mechaniker umfasst mit beiden Armen den tags zuvor erworbenen Reifen und meint dann, dass dieser mein einziges Problem sei. Ungläubig schaue ich ihn an. Er bleibt bei seiner Aussage. Die 25 Dollar für den nächsten Runderneuerten sind schnell ausgegeben und kurz nach 8 Uhr stehe ich vor der erstaunt blinzelnden Annett. Wäre die Sache nicht so einfach zu lösen gewesen, hätten wir wahrscheinlich Probleme mit unserem Termin in Vancouver bekommen. Wahrscheinlich beginnt nun unsere Glückssträhne!

Interessant ist übrigens, dass es in Oregon verboten ist, selbst zu tanken. Als ich selbiges vorhabe, kommt der Tankwart aufgeregt angelaufen und droht mir 5000 Dollar Strafe an. Im Bundesstaat Washington hingegen darf man auch mit 0,8 Promille Auto fahren. Die amerikanische Gesetzgebung ist schon manchmal eigenartig, zumindest aber sehr föderativ. Die hiesige Zeltplatzsaison neigt sich dem Ende. Obwohl es immer noch reichlich 20° C sind, sprechen manche schon vom Winter. Kurz vor Seattle sind die ersten Zeltplätze bereits geschlossen, andere kündigen ihre Schließung an. Vielleicht wird es so einfacher, kostenlos zu übernachten.

Zinssinetti in Washington
Route USA – Teil 1


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.