Goldsteig – Tag 1 – Auf in die Oberpfalz

vonMarktredwitz
nachFriedenfels
↔ 22km ⬆ 450Hm ⬇450Hm
🚂 Hinfahrt von Leipzig nach Marktredwitz für 32€
🛌🏻 Hotel Mühlbachtal in Friedenfels für 36€

Morgens kurz nach sechs geht es los. Mit dem Zug über Zwickau und Hof nach Marktredwitz.

Diesen Ortsnamen werde ich wohl nie richtig aussprechen können, obwohl ich ja nun in den nächsten Tagen genügend Zeit zum Üben haben werde.

Da soll es irgendwann hingehen

Kurz nach 10:00 bin ich am Startort und werde mit einem großen Markt empfangen. Es ist Sonntag und das Thermometer zeigt gerade mal drei Grad. Trotzdem bieten alle möglichen Händler ihre Ware feil.

Obwohl ich noch keinen Kilometer gewandert bin, gönne ich mir eine Tüte Kokosmaronen. Das muss sein und ich kann sie später gut gebrauchen.

Auf der Zugfahrt war ich etwas nervös, wegen des Wetters und wegen der nicht vorhersehbaren Reaktion meiner Füße. Schließlich bin ich Sitzsportler, fahre lieber mit dem Fahrrad. Aber ich wollte schon seit langem den Goldsteig als Allein-Wanderer in Angriff nehmen.

Es geht auf feuchten Wiesenwegen hinaus in die Natur der Oberpfalz. Fest eingeplant ist eine Rast nach ca. 12km beim Marktredwitzhaus, welches für seinen tollen Biergarten bekannt ist. Als ich das „geschlossen“-Schild realisiere, gehen kurz die Mundwinkel nach unten. Aber ich habe ja die Makronen und ein paar olle Bemmen, die ich auf Empfehlung meiner lieben Annett eingepackt habe. Das hilft wirtschaften.

Kurze Zeit später erreiche ich den Weißenstein – eine 900 Jahre alte Burg mit toller Aussicht über die Region.

Ich lerne zwei Wanderer kennen, die mir davon berichten, dass sie bereits 50 Jahre zusammen wandern und dass sie dieses Jahr bereits ihre diamantene Hochzeit feiern. Sie sind sich bewusst, dass aus Altergründen dies wohl ihre letzte gemeinsame Tour sei. Sie wollen 184km in neun Tagen zurücklegen.

Irgendwie ist das alles beeindruckend aber auch traurig, da sie sich doch schon ganz schön quälen, wenn es mal den Berg hinauf geht. Ich drücke ihnen meine Daumen und wir gehen zwei Stunden gemeinsam. Sie sind schon von Flensburg zum Lago Maggiore gewandert – irre.

Im Zielort Friedenfels, überrascht mich doch noch eine Husche. Aber es ist nicht mehr weit und ich lerne ein weiteres älteres Paar kennen. Meine Wirtsleute, die mich sehr nett empfangen, obwohl ich der einzige Gast bin. Sie haben dieses Jahr ebenfalls diamantene Hochzeit und betreiben ihr Haus seit nunmehr 50 Jahren.

Ich habe heute die Ruhe im Wald genossen. Vögel zwitschern im Mischwald überwältigend schön. Im Nadelwald ist es dunkel, kalt und still. Ein Hund jagt einem Vogel nach. Jener macht sich einen Spaß draus, den Vierbeiner zu ärgern.

In Friedenfels wohnt seit 900 Jahren dieselbe Adelsfamilie im Schloss. Alles im Ort scheint sich um diese Familie zu drehen und Geschichten werden hier zu Adels-Sagen. Ein anderes Deutschland.

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