2026 München-Verona Tag 3: von Jenbach nach Brenner

vonJenbach
nachBrenner
↔ 81km ⬆ 1500Hm ⬇ 550Hm
🛌🏻
Parkhaus Outlet Brenner – Italien
Brenner 254,
6156 Gries am Brenner,
Österreich

Wir brennen über den Brennerpass

Seit Beginn der finalen Planung wussten wir: Dieser Tag ist die Königsetappe. 1500 Höhenmeter auf 80 Kilometer – es geht über den Brenner. Um den Brennerpass zu erreichen – vor der Tour hatten wir ihn als „Schluppe“ getauft –, müssen wir diese Höhenmeter in Kauf nehmen. Wer über die Alpen will, muss die Berge irgendwann bezwingen. Und heute war der Tag gekommen …

Wir standen extra früh auf. Um 7 Uhr bauten wir unser Zelt zusammen. Wir wollten gerade los, doch dann war sie wieder da. Das Maisfeld musste sie über die Nacht vor uns versteckt haben – die Defekthexe. Ottos Hinterreifen hatte die nächste Panne. So langsam konnte es kein Zufall mehr sein, aber wir hatten keine Zeit, ewig nach der Ursache zu suchen. Also verwenden wir einen unserer noch übrigen vier Ersatzschläuche und machen uns endlich auf den Weg.

Nach einem schnellen Auffüllen der Flaschen können wir die ersten 40 Kilometer endlich angehen. Diesen folgen wir entlang des Inns. Der Fluss ist heute ein langer Begleiter. Teilweise habe ich das Gefühl, ich befinde mich in Holland. Flache Fahrradwege und immer wieder kleine, schöne Ortschaften. In Schwaz frühstücken wir. Mal wieder gibt es Mozzarella, Frischkäse und Brezeln. Diese Kombination können wir nach der Tour wahrscheinlich erst einmal lange Zeit nicht mehr sehen.

Wir fahren weiter und erreichen ohne großen Kraftaufwand Innsbruck. Ein bisher herrlicher Fahrradtag. Doch das trügt.

Auf einer beschatteten Parkbank trinken wir einen Eistee und bereiten uns mental auf die nun folgenden 1500 Höhenmeter vor.

Langsam zieht die Sonne ins Land. Für uns bedeutet das Sonnencreme. Gleichzeitig ist es das Startsignal. Wir folgen dem Navi aus der Stadt. Und dann beginnt es. Wir kommen auf eine stark befahrene Straße und der Anstieg beginnt – und was für ein Klopper!

Nach wenigen hundert Metern erst einmal anhalten. Der Asphalt unter uns brennt. Nun müssen auch wir brennen! Unser gepunktetes Trikot zieht voraus. Kolja und ich kraxeln Stück für Stück weiter. Die auf uns niederdonnernde Sonne macht uns nach und nach mürbe – und das ist gefährlich! Die Autos neben uns rasen Zentimeter an uns vorbei. Und die Straße will nicht aufhören – der Anstieg will nicht aufhören!

Kolja und ich biegen kurz in eine Seitenstraße ein. Otto ist längst aus unserem Sichtfeld. Anders als bei Tim am ersten Tag ist das jedoch okay. Bei einem Berg fährt jeder sein eigenes Tempo.

Wir rufen Otto an. Er ist fast am Ende der Straße und erreicht bald den Abzweig zum Fahrradweg.

Auch wenn es an unserem Ego kratzt, beschließen wir, dass dieses Stück Straße zu gefährlich wird. Wir warten also auf den nächsten Bus, um die eineinhalb Kilometer zu überspringen.

Nach einer halben Ewigkeit sehen wir endlich einen Bus. Wir haben uns extra an der Bushaltestelle groß gemacht und winken so stark wir können. Doch der Busfahrer scheint davon keine Notiz zu nehmen. Er schaut auf sein Handy und übersieht uns. Wir brodeln vor Zorn. Hoffentlich hat sein Bus eine Klimaanlage …

Der zweite Bus nimmt uns dann doch mit und lässt uns am Abzweig bei Otto raus.

Im Vergleich zu meinen früheren Radtouren wäre das der Moment gewesen, an dem die Höhenmeter ein Ende nehmen und ich angestrengt die restlichen Kilometer zur Unterkunft schaukle. Aber die Alpen fordern mehr. Der Fakt, dass wir noch nicht einmal die Hälfte der Höhenmeter geschafft haben, lässt uns jedoch nicht entmutigen. Ein Rückzieher ist keine Option.

Die folgenden Kilometer sind genauso anstrengend. Aber zumindest fahren wir auf Wegen, die für Fahrräder ausgelegt sind. Wieder lässt die Luft aus Ottos Hinterreifen nach – das darf nicht wahr sein! Platten Nummer 4. Langsam fühlen wir uns blöd. Uns ist bewusst, dass irgendetwas im Reifen steckt, das die Pannen verursacht. Wir investieren über eine Stunde, um endlich die Ursache herauszufinden. Aber daraus wird nichts. Also weiterfahren. Von nun an können wir es uns nicht mehr leisten, weitere Platten zu bekommen – zwei Schläuche sind noch übrig.

Die Zeit rennt und wir haben immer noch 35 Bergkilometer vor uns. Die Moral sinkt, die Nerven liegen blank.

Bei einem Autoreisedienst fragen wir einen Mann nach einer Luftpumpe mit Bar-Anzeige. Doch das wird nichts. Ein weiterer Mann – später nennen wir ihn den „Mann im gelben Trikot“ – hilft uns dann zusammen mit einer Frau, den Hinterreifen noch einmal richtig aufzupumpen.

Bei einem Autoreisedienst fragen wir einen Mann nach einer Luftpumpe mit Bar-Anzeige. Doch das wird nichts. Ein weiterer Mann – später nennen wir ihn den „Mann im gelben Trikot“ – hilft uns dann zusammen mit einer Frau, den Hinterreifen noch einmal richtig aufzupumpen.

Darauf folgen einige Kilometer mit Höhenmetern nach oben und nach unten. Wir machen immer wieder kurze Pausen, zum Beispiel auch an einer großen Seilbrücke.

In einem Spar besorgen wir uns kalte Koffeingetränke. Und die spürt man. Die nächsten Kilometer fallen viel leichter. Trotzdem bleiben die massiven Anstiege nicht aus. Diese haben heute nämlich bis zu 13 % Steigung. Und das spürt man dann schon in den Beinen.

Nach unzähligen Bergen sehen wir dann endlich die italienische Grenze. Das Grinsen in unseren Gesichtern blüht endlich wieder auf. Am Grenzschild begegnet uns sogar ein Sticker von BSG Chemie Leipzig. Diese Stadt ist überall.

Otto versucht sich im Ort Brenner – der direkt an der Grenze zwischen Österreich und Italien liegt – ein einfaches T-Shirt zu kaufen. Warum? Naja, zu einer Zehn-Tage-Reise nimmt nicht jeder ein T-Shirt mit …

Doch das Outlet scheint ausgestorben. Es ist zwar offen, aber niemand ist drinnen. Das Problem wird also erst einmal auf morgen verschoben.

Das erste Mal auf unserer Tour gönnen wir uns etwas mehr als Supermarktfraß. Wo, wenn nicht in Italien, soll man Pizza essen? Und die tut wirklich gut nach dieser Tour.

Nach dem Essen bringen Otto und ich Kolja eines der wichtigsten Kartenspiele bei. Skat ist zwar schwer beizubringen, aber es ist ein Spiel, das jeder können muss.

Wir wollen gerade wieder aufbrechen – schließlich haben wir noch knapp 5 Kilometer vor uns –, doch die Kellnerin rät uns davon ab. Sie deutet auf den Himmel, der sich immer weiter zudunkelt. Der Start des Gewitters ist nur noch eine Frage der Zeit. Unsere „Unterkunft“ ist auch nicht gerade perfekt. Ein Stück Wiese neben der Autobahn. Aber was sollen wir machen? Wir haben kein Hotel. Die Kellnerin weiß die Lösung.

Neben dem Outlet steht ein großes Parkhaus – ein überdachter, ruhiger Ort. Und der Betreiber soll entspannt sein. Warum nicht das Zelt im Parkhaus aufschlagen? Wir wissen nicht, was wir von dieser verrückten Idee halten sollen. Im Hinterland sehen wir es anfangen zu blitzen – also warum nicht?

Wir schlagen unser Zelt auf Asphalt auf – natürlich ohne Heringe. Während der Donner losbricht, sprechen wir mit dem Betreiber. Er gibt das Okay. Also können wir uns nach diesem ereignisreichen Tag in unsere Schlafhütte begeben.

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