| von | Bozen |
| nach | Trient |
| ↔ 65km ⬆ 330Hm ⬇ 460Hm | |
| 🛌🏻 HOLLIDAY – charming home – TRENTO, Via alla Cascata, 70, 38050 Trient, Italien |
Der Sieg über die Defekthexe
Heute stehen wir erst spät auf. Der gestrige Tag war einfach zu ereignisreich. Als wir das Zelt zusammenbauen, kommt Hans von seinem Ausflug schon wieder zurück, und das mit einem breiten Lächeln. Da wir noch nicht losgekommen sind, bietet er uns nochmal einen Espresso an. Dabei gibt er uns eine kurze Unterrichtsstunde über verschiedenste Jagdkaliber und Regeln, die man beim Jagen beachten soll. Zusätzlich zeigt er uns ein Bild von seinem Hund und sich, wie sie über dem toten Rehbock thronen.
Während wir unseren Espresso genießen, kommt ein weiteres Auto die Einfahrt herunter. Hans‘ Schwager und seine Nichte Liselotte erreichen unseren Frühstückstisch. Sie erklären — wir kämen einen Tag zu spät. Denn morgen würde eine große Feier zu Liselottes 22. Geburtstag stattfinden.
Nun zu sechst im Garten müssen Otto, Kolja und ich immer wieder schmunzeln, wie Hans von seinem sehr flüssigen Deutsch ins Österreichische wechselt.
Schließlich kommt für uns der Moment, wo wir wie jeden Morgen die Böcke satteln. Nach einer herzlichen Verabschiedung mit Hans — man könnte mittlerweile meinen, wir wären beste Freunde — passieren wir ein letztes Mal Hans‘ Gartentor und fahren wieder hinaus in die norditalienische Gebirgswelt.
Der Tag verläuft wie gehabt. Die ersten Kilometer bis zur Frühstückspause fallen uns sehr einfach. Während unseres ersten Halts — mittlerweile ist unser Frühstück ja kein Geheimnis mehr — fahren die Wiener wieder an uns vorbei. Alle, die zum Gardasee wollen, nehmen diese Route.
Was folgt, ist ein ständiges Überholen und Überholtwerden. Letztendlich setzen wir uns in Sachen Geschwindigkeit jedoch durch. Wir fahren eine schnelle Pace und haben dabei Glück, dass die Sonne größtenteils von den Wolken und der östlichen Gebirgskette abgeschirmt wird.
Die Apfelplantagen links und rechts begleiten uns heute den ganzen Tag. Schließlich können wir uns dann nicht zurücknehmen. Wir warten, bis der Bauer uns nicht mehr im Visier hat, und pflücken dann einige reife Äpfel. Gratis-Snacks lassen wir uns nicht entgehen.
Später wird es dann doch immer heißer und wir müssen regelmäßig anhalten. Ottos Hinterreifen lässt weiterhin konstant Luft. Wir entscheiden uns dazu, den finalen Kampf gegen die Defekthexe endlich anzutreten. Heute hatten wir wenigstens Zeit dafür.
Um den sechsten Platten anzugehen, ließen wir uns unter einer Brücke nieder. Diese spendete schönen Schatten. Es dauerte fast zwei Stunden, bis das Fahren endlich fortgesetzt werden konnte. Bis dahin hatte Otto mehrmals das Fahrrad nach irgendwelchen Splittern etc. durchsucht. Die Defekthexe hatte sich gut versteckt. Der Übeltäter saß im Mantel und zwar so, dass man ihn sowohl von der Innen- als auch der Außenseite nicht erkennen konnte. Als wir den Glassplitter endlich entfernten, war der Kampf beendet und es konnte weitergehen.
Wir erreichen schnell die ersten Vororte von Trient. Neben der Hitze kommt nun auch das erste Mal der Gegenwind dazu — eine Komponente, die wir bisher aus der Rechnung rauslassen konnten. Damit werden die finalen Kilometer anstrengender als gedacht.
Unsere Unterkunft liegt nicht direkt in Trient, sondern auf einem Berg, und diesmal können wir die 200 Höhenmeter nicht umgehen. Nach diesen 5 Kilometern Berg sind wir so verschwitzt wie noch nie.
Auf unserem Schlafplatz waschen wir uns in einer Gartendusche und kochen zum zweiten Mal auf unserer Tour auf dem Gaskocher. Am Skattisch kommt es zu dem, was das Spiel ausmacht. Otto und ich erklären das Reizen.
Daraufhin verlassen wir unser Gartenstück und fahren mit einem Bus runter nach Trient. Wir verbringen den Abend auf einer Parkbank. Dort trinken wir ein kaltes Getränk und genießen die italienische Abendluft und die Altstadt.
Als der Bus uns wieder bei unserer Unterkunft rauslässt, zürnt Zeus bereits über Trient. Wir setzen uns also unter unsere kleine Überdachung im Garten und lauschen dem fernen Gewitter, welches uns glücklicherweise nicht erreicht. Dabei freuen wir uns über den Geruch der Duftkerze. Diese hatte uns der gastfreundliche Mann der Betreiberin vorher überreicht.
Unsere Gedanken schweifen dahin, während unsere Augen nun den Süden fixieren. Morgen sollen wir endlich den Gardasee zu Gesicht bekommen.









