| von | München |
| nach | Wolfratshausen |
| ↔ 64km ⬆ 390Hm ⬇ 260Hm | |
| 🛌🏻 Pferdehof Rotmühle, Rotmühle 152, 83646 Wackersberg, Deutschland |
Team FahrrAtzen mit dem Fahrrad über die Alpen
Schon im Sommer 2025 näherten wir uns der Überlegung einer gemeinsamen Fahrradtour innerhalb der Freundesgruppe an. Wenige Monate später kristallisierte sich das Team FahrrAtzen heraus, ein Team, welches von einem großen Ziel träumte. Otto, Kolja und Friedrich wollten den Gardasee erreichen (aus der Perspektive Friedrichs werden die folgenden Artikel dieser Reise erzählt).
Ein Start von Leipzig wäre undenkbar gewesen. Dazu reichte die verfügbare Zeit in den Sommerferien nicht aus, und als erste Tour wären die ca. 1000 km zu lang gewesen. Unsere Reise musste also in München beginnen.
Verona sollte unser finales Ziel sein. Die Stadt in Norditalien war perfekt als Standort für die Rückreise geeignet.
Die Vorbereitung auf die Reise war lang. Wir wollten so wenig wie möglich Geld ausgeben und das hatte zur Folge, dass wir auf Hotels verzichten würden. Wir kauften uns ein Drei-Personen-Zelt und riefen bei diversen Höfen an, die in der Nähe unserer Etappenziele lagen. Das Einzige, was wir brauchten, war ein Stück Wiese, wo wir unser Zelt legal aufschlagen durften.
Schließlich hatten wir für alle unsere sieben Fahrradtage eine Unterkunft gefunden.
Circa einen Monat vor dem Start der Tour haben wir ein Logo für unsere Dreiergruppe designt. Dieses haben wir dann im Anschluss auf unser Trikot drucken lassen.
Trotz einiger Skeptiker hielten wir an unserem Ziel fest und als die Züge, bzw. der Bus für die Rückreise, gebucht waren wussten wir, nun gab es kein Zurück mehr. Die zehnte Klasse neigte sich für uns dem Ende entgegen und der Tag des 27. Julis kam…
3:55 Uhr klingelt der Wecker. Ja, wir meinen es ernst! Wir treffen uns bei Otto genau eine Stunde später, der Zug soll 5:41 Uhr fahren. Ottos Vater verabschiedet uns und zum ersten Mal rollen die Reifen. Sie sollen uns, hoffentlich ohne Pannen, bis nach Verona bringen.
Die Zugfahrt verläuft reibungslos und wir können nochmal einiges an Schlaf nachholen.
Der ICE setzt uns pünktlich in München ab. Als wir aus dem Zug aussteigen, sehen wir zwei andere Jungs, Konrad und Tim, zwei Achtzehnjährige, die wie wir eine Bikepacking-Tour unternehmen wollen. Die Skatkarten und Kniffelwürfel in den Randtaschen ihrer Rucksäcke lassen sie direkt sympathisch wirken. Wir sprechen sie an. Wie sich herausstellt, wollen auch sie in den Süden. Jedoch folgen sie anders als wir keinem klaren Ziel. Sie fahren einfach los und schauen, wie weit sie kommen. Auch interessant.
Otto, Kolja und ich beschließen, ihnen zunächst zu folgen.
Der Start unserer Tour bleibt nicht unbemerkt. Direkt als wir den Bahnhof verlassen, öffnet der Himmel seine Schleusen. Wir beten, dass das kein schlechtes Omen für die gesamte Tour ist.
Der Regen begleitet uns den kompletten Vormittag. Auch wenn die Chemie zwischen uns fünf grundsätzlich stimmt, machen sich Geschwindigkeitsunterschiede bemerkbar. Tim fährt viel schneller als die restlichen vier. Vor allem Tims Begleiter Konrad kann mit der Geschwindigkeit nicht mithalten. Wir lassen uns mehrmals zurückfallen — bei dieser Tour wird niemand zurückgelassen. Ich unterhalte mich mit Konrad. Wir sprechen über die Zukunft mit KI und die damit verbundene Jobsuche. Er erzählt dabei begeistert von seinem Bauingenieurstudium.
Währenddessen lasse ich mein Handy unbeachtet auf meiner Lenkerhalterung – ich brauchte ja nicht zu navigieren. Der Regen donnert unerbittlich auf das Display. Mein Handy protestiert schließlich und beim Einstecken des Ladekabels kommt eine Fehlermeldung – zu viel Feuchtigkeit ist in mein Telefon eingedrungen. Das hat zur Folge, dass es sich langsam entlädt. Ich ahne noch nicht, was das für ein Problem mit sich ziehen könnte – immerhin bin ich für das Routing verantwortlich. Nach ungefähr 40 Kilometern hört es langsam auf zu regnen. Wir erreichen den Starnberger See. Dort trennen sich Konrad und Tim von uns.
Die erste Bergwertung erwartet uns kurz vor dem Ort Berg – welch Ironie. Man merkt schon hier, dass man sich einer großen Gebirgskette nähert. Erst nach dem Berg schrauben sich vor uns die wirklichen Monster empor: die Alpen.
Eine herrliche Talabfahrt führt uns nach Wolfratshausen – eine überraschend schöne, grüne Stadt im typisch bayerischen Stil.
Unser Ziel erreichen wir gegen 17 Uhr – ein kleiner Pferdehof auf einer großen Wiese. Zirke empfängt uns und führt uns zu einem kleinen Nebenhof mit Eseln und Schafen. Direkt erinnere ich mich an die Geschichte der Odyssee, wo die Kirke hungrige Besucher in Schweine verwandelt. Das ist bei uns glücklicherweise nicht eingetreten. Als Schwein hätte ich diesen Artikel hier nicht verfassen können.
Wir lassen uns neben einer Feuerstelle und einem Bungalow nieder. Als die Betreiberin Silke uns empfängt, bietet sie uns den Bungalow als Schlafmöglichkeit an. Außerdem zeigt sie uns Steckdosen, wo wir unsere Handys laden können. Mein Handy, das sich in der Zwischenzeit komplett entladen hatte, lässt sich nun wieder aufladen. Ich bin sehr erleichtert. Das Navigieren wäre ohne mein Handy ein großes Problem geworden.
Wir kochen Nudeln über dem Gaskocher und spielen Wizard, während wir zu Abend essen. Gegen 0 Uhr schlafen wir mit Dach überm Kopf ein. So viel Glück können wir in Zukunft bei der Unterkunft nicht einplanen.










