2022-Prag-Budapest-Tag 4 nach Znojmo

vonJindřichův Hradec
nachZnojmo
↔ 100km ⬆ 980Hm ⬇ 1.170Hm 9-14 Grad, Regen
🛌🏻
Penzion Šťastný medvěd,
7 Masarykovo náměstí Vchod z adresy:
Dolní Česká 34,
Znojmo, Znojmo, 669 02
63,58€ für Drei

Gestern Abend wechselten wir bei Hendriks Rad noch den Hinterrad-Schlauch. Er verlor ständig an Druck, ohne erkennbaren Grund. Als wir morgens die Räder aus dem Keller holten, stellte ich fest, dass mein Vorderrad ohne Luft war. Also wiederholten wir die Prozedur des Schlauchwechsels mittlerweile geübt. Dadurch verspätete sich jedoch die Abreise, zumal wir ein lohnenswertes Frühstück gebucht hatten.

Es war frisch – deshalb zogen wir alles an, was wärmen könnte und den modischen Mindeststandard nicht verletzte. Hendrik beschränkte sich auf Überschuhe und eine Regenjacke – ich zog vier Schichten übereinander, was im Laufe des Tages auch bitter-nötig wurde.

Es ging sofort wieder in der böhmischen Bergwelt zur Sache. Wir gönnten uns nur eine einzige Pause, um mal eine Cola zu schlürfen – ansonsten trieb uns die Angst vor dem Regen voran. Dieser setzte auch gegen 13:00 ein. Es wurde sehr schnell kalt und kälter – bis auf 9,1 Grad fiel die Temperatur am Tacho – die Pfützen sorgten für unangenehme Kühlung von unten – von vorn peitschte der Regen ins Gesicht. Haiko anrufen? Das hatten wir bisher noch nie nötig – also malten wir uns die Situation so bunt wie irgend möglich – dabei war alles nur grau. Aber wir hielten durch und kamen gegen 15:30 völlig durchnässt, hungrig und ausgekühlt in Znaim an.

Znojmo/Znaim

Abends wurde wir belohnt. Wir übernachteten in Znojmo/Znaim – einem Ort von dem ich vorher noch nie gehört hatte. Die Stadt liegt auf einer Felszunge am steil abfallenden Ufer der Thaya. Sie scheint keinen Krieg erlebt zu haben. Überall sind gut erhaltene Bürgerhäuser mit zahlreichen Verzierungen zu sehen. Nur das Kulturhaus auf dem Marktplatz ist ein städtebaulicher Schandfleck der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Dieser wird jedoch überdeckt von vielen kleinen Gassen und Kopfsteinpflasteridylle. Es sind kaum Leute oder Touristen unterwegs – die Stadt scheint unter dem Radar zu fliegen, obwohl sie so viel mehr hermacht.

Wir hören von den Znaimer Katakomben haben aber leider zu wenig Zeit, diese zu besichtigen. Auf einer Website findet sich folgende Beschreibung:

Der Znaimer Untergrund gehört zu den einzigartigen historischen Sehenswürdigkeiten nicht nur in der Tschechischen Republik, sondern auch im Rahmen von Mitteleuropa. Es handelt sich um ein System von unterirdischen Gängen, das fast 27 km lang ist und bis zu 4 Etagen besitzt.

Anhand von zwei Jahreszahlen, die im Untergrund gefunden wurden, nehmen wir heute an, dass der Anfang des Erbauens der Gänge an der Wende vom 14. zum 15. Jahrhundert lag. Jedes der Wohnhäuser hatte unterirdische Räumlichkeiten, die anscheinend für wirtschaftliche Zwecke dienten. Das mittelalterliche Znaim war eine reiche Stadt, einerseits dank seiner Lage, die eine gute Ernte des schmackhaften Weins und anderer landwirtschaftlicher Produkte garantierte, anderseits auch dadurch, dass sie auf einem wichtigen Handelsweg lag und deshalb ein bedeutendes Handelszentrum war. Zu einer geeigneten Aufbewahrung der Güter waren die unterirdischen Gänge in jeder Hinsicht günstig.

https://www.znojemskabeseda.cz/de/tourismus/untergrund

Auch hier kann man toll essen gehen. Nach dem Kraftakt auf der Straße bestellen wir jeder eine ausgewachsene Schweinshachse – sie wird gereicht mit Kren (frisch geriebener Meerrettich), warmem Brot mit ausgeprägter Kümmelnote, sauren Gurken, eingelegte Peperoni und Senf. Die Kellnerin versucht uns mit den Worten „it’s very big“ von unserem Vorhaben abzubringen und empfiehlt zwei Hachsen für uns Drei. Damit haben wir jedoch schon ungute Erfahrungen gemacht, lehnen ab und verputzen alles ohne unnötige Reste.

Wir lernen in der Lokalität Robert Blaha kennen – einen rüstigen 76 jährigen Österreicher, der hier in der Stadt lebt und begeistert von seiner Karriere als Radsportler und Läufer berichtet. Marathonzeiten und Berichte von Heldentaten auf Bahn und Straße wechseln sich ab – wir versuchen gegenzuhalten. Dreimal geschieden (hier geben wir auf..), Mittelamerika kennengelernt und immer noch aktiv als Weingärtner und Lebemann. Wir spendieren uns gegenseitig Becherovka und entsprechend ausgelassen ist die Stimmung. Er schätzt an Znaim das alljährliche Weinfest – wo es nach seinen Worten wie in Sodom und Gomorra zugeht, seine preiswerte Mietwohnung, dass es wenig Ausländer und nur ein paar Zigeuner gibt, die „nicht viel“ Ärger machen und dass die Polizei alles im Griff hat – dabei lebt er hier selbst als Ausländer. Ja diese unbemerkte Doppelmoral scheint eine Eigenschaft von Österreichern und sicher auch Deutschen zu sein.

Ein kleiner Stadtrundgang bei Einbruch der Dunkelheit lässt uns staunen und mit dem Bewusstsein ins Bett gehen, dass wir hier auf jeden Fall zurückkehren werden – wann auch immer – vielleicht mal zum Weinfest?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.