| von | Trient |
| nach | Riva del Garda |
| ↔ 57km ⬆ 250Hm ⬇ 520Hm | |
| 🛌🏻 Ostella Benacus Piazza Cavour, 14 38066 Riva del Garda, Italien |
Zwischen Ricotta und Serpentinen
Heute liegt also unser eigentliches Ziel vor uns: der Gardasee! Als wir aus dem Zelt aufstehen, bekommen wir eine Rückmeldung von Hans. Kolja hatte nämlich seinen Ring verloren und wir hatten daraufhin Hans gefragt, ob dieser noch auf seinem Grundstück liegt. Er, nett wie er war, würde sich natürlich auf die Suche begeben.
Um 10 Uhr fahren wir los. Heute liegen so gut wie keine Höhenmeter vor uns. Das liegt auch daran, dass wir unsere Unterkunft in Riva nochmal überdacht hatten. Noch bei Hans hatten wir eine Jugendherberge direkt in der Innenstadt von Riva del Garda gefunden. Und dort würde man gerade einmal 13 € pro Nacht mehr bezahlen als in unserer ursprünglichen Unterkunft. Diese lag nochmal auf dem Berg und im Vergleich zu gestern fuhr kein Bus hoch und runter, sodass wir mit dem Fahrrad hoch- und runterfahren müssten, um uns Riva anzuschauen. Außerdem inkludiert die Jugendherberge ein Frühstück und ein richtiges Bett. Genug Gründe — genug Überzeugung.
Aber dort sind wir noch nicht. Die Etsch — der zweitgrößte Fluss Italiens — ist heute unser Wegbegleiter. Der Radweg nach Riva führt fast die ganze Zeit an diesem Fluss entlang. Wir suchen uns schnell einen Frühstücksort nach 10 Kilometern. Zwischen uns und den Orten liegt jedoch immer wieder eine große Fernverkehrsstraße. Die Ausfahrt zu unserem Frühstücksort verpassen wir und so müssen wir weitere 10 Kilometer fahren, bis wir endlich frühstücken können.
Nach 20 Kilometern zeigt sich großes Hungergefühl. In dem Laden entscheiden Kolja und ich uns dazu, einen Ricotta für 2 € zu kaufen — eine Entscheidung, die Otto uns noch die gesamte restliche Tour vor die Nase halten wird. Kolja und ich, die diesen verspeisen, merken schnell, dass Ricotta nicht ins Geschmacksprofil passt. So entscheidet sich Otto dazu, ein zweites Mal den Laden zu betreten und einen Frischkäse zu kaufen. Ich habe Glück, dass ich mein Pferdchen auch bei diesem Frühstück auf den Mozzarella gesetzt habe…
Meistens ist unser Tempo ziemlich schnell und wir machen dafür längere Pausen. Auf einer Bank neben dem Radweg tischen wir die Äpfel auf, die wir gestern noch vom Bauern geklaut haben. Dabei treffen wir auf Laura — eine interessierte Frau mittleren Alters, die durch ihre kuriosen, lustigen Kommentare schnell auffällt. Wir müssen uns beispielsweise stark das Lachen unterdrücken, als wir über das Thema Fußball reden und Laura sich über das schlechte Abschneiden des FC Bayern bei der Weltmeisterschaft beschwert. Außerdem kommt es zu einem sehr amüsanten Namenraten. Laura beschwert sich immer, dass wir sie älter schätzen, als sie eigentlich ist, und ihr demnach auch alte Namen zuordnen.
Nachdem sie den Rastplatz verlässt, prusten wir los und werten das Gespräch aus. Es ist nur eine kurze Begegnung, aber abermals legendär. Danach geht es wieder auf den Bock. Es kommt zu einem letzten großen Anstieg. Die Belohnung ist eine herrliche Abfahrt mit Blick auf den Gardasee.
Wir sind schon fast unten angekommen, als ich realisiere, dass die Abfahrt falsch war. Wir hätten die Serpentinen nicht runterfahren dürfen und dafür einen Abzweig früher nehmen müssen. Die Konsequenz ist ein Umweg von 8 Kilometern.
Auf den letzten Metern fängt es dann nochmal stark an zu schütten — und das bei 30 Grad. Doch das Wetter soll uns an diesem Tag nicht mehr aufhalten. Wir erreichen die Jugendherberge, die inmitten der Altstadt Rivas liegt. Endlich können wir eine richtige Dusche nutzen und haben ein Zimmer nur für uns.
Wir schauen uns die Stadt Riva del Garda an, die nur rund 18.000 Einwohner zählt und aus diesem Grund das Gerücht der Touristenstadt bekommen hat. Uns gefällt die Stadt direkt am Gardasee und der Tourismus ist nicht allzu groß. Baden nehmen wir uns für den morgigen Tag vor.
Gegen 22 Uhr suchen wir nach Nebenbeschäftungen. Wir dringen beispielsweise in den Hinterhof eines Festivals ein, um den Festivalsaal zu erreichen. Daraus wird jedoch nichts. Denn ein Koch mit einer Kochhaube so groß wie mein Arm erwischt uns. Er zeigt sich jedoch nett und humorvoll.
Auch das Suchen einer Festa ist vergebens. So gehen wir zurück in unsere Unterkunft und genießen das Gefühl, morgen endlich einen Ruhetag zu haben.








